Donnerstag, 9. Juli 2009 16:10
Die Bluttat im Dresdner Gericht mit rassistischem Hintergrund bewegt den Referenten für Ausländische Studierende des Studentenrats der TU Dresden, Victor Vincze.
Am 1. Juli starb die Ägypterin Marwa A.-S. Ihr Ehemann, Doktorand am Max-Plack- Institut Dresden, der sie im Gerichtssaal vor den Messerattacken des Mörders beschützen wollte, liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Als vermeintlicher „Täter“ wurde der Ägypter von einer Polizeikugel getroffen. Es ist der tragische Höhepunkt eines Streites, der sich eigentlich um die Schaukel auf einem Spielplatz drehte.
Eigentlich, denn in Wirklichkeit geht es um viel mehr: um Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Integrationsprobleme ganzer Bevölkerungsgruppen. Im Zuge des Streits im Sommer 2008 beleidigte der Russland-Deutsche Alex W. die Kopftuch tragende Frau mehrfach, die daraufhin gerichtlich klagte. Ihr wurde in erster Instanz ein Schmerzensgeld von 780,- Euro zugesprochen. Im Gerichtssaal zur Urteilsrevision zog der Angeklagte ein Messer und stach 18 Mal auf die schwangere Ägypterin und deren Ehemann ein. Die Frau erlag kurz darauf ihren schweren Verletzungen. „Der Täter ist ein fanatischer Ausländerfeind. (...) Das war eindeutig eine ausländerfeindliche Tat eines fanatischen Einzeltäters“, stellte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius klar.
Für Victor Vincze, Referent Ausländische Studierende des Studentenrats der TU Dresden, vermittelt der Fall drei schwerwiegende Botschaften. Sie weisen darauf hin, welche Probleme eine nicht ernst gemeinte Integrationspolitik und die Verharmlosung der Ausländerfeindlichkeit in Dresden darstellen:
Botschaft 1: Die Suche nach Gerechtigkeit durch das Gericht endet tragisch – Anreiz zu Selbstjustiz?
Forderung 1: Im Falle eines Gerichtsprozesses, wo es um Ausländerfeindlichkeit und Rassismus geht, müssen KlägerInnen und ZeugInnen ausreichend geschützt sowie rassistische Straftaten hart bestraft werden, damit der Glaube an das Deutsche Justizsystem nicht verloren geht.
Botschaft 2: Tatmotiv: Rassistische Wut und Islamhass, erzeugt aus persönlichem Frust. Ein unvorstellbarer Hass schlummert scheinbar in vielen MitbürgerInnen, der „völlig unerwartet“ in gewaltsamen Aktionen wie diese ausarten kann.
Forderung 2: Fremdenfeindlichkeit und Rassismus müssen entschlossen bekämpft werden. Dies ist nicht nur Aufgabe von Privatpersonen und Vereinen, sondern auch in erster Linie von PolitikerInnen!
Botschaft 3: Die „tickende Zeitbombe“ der Desintegration.
Forderung 3: Jeder Täter ist auch zum Teil selbst ein Opfer. In diesem tragischen Fall bestätigt sich diese Annahme besonders. Die Ausgrenzung, die Existenz von Parallelgesellschaften erzeugt Frust und Wut. Es muss eine ernst gemeinte Integration auf Augenhöhe beginnen!
Daher: Kompromisslose Umsetzung des Integrationsplanes! Wir fordern ernst gemeinte Handlungen statt kosmetischer Maßnahmen! Die Ägyptischen Studierenden in Dresden, der Ausländerrat, der Vorsitzende des Ausländerbeirates, die Opferberatung Dresden, die Gemeinschaft für Menschenrechte im FS Sachsen, die Organisation für Menschenrechte in den Arabischen Staaten/Deutschland, Prof. Weber-Unger Rotino (HS Mittweida), der Referent für Ausländische Studierende des Studentenrats der TU Dresden sowie andere Vereine und Gruppen laden Sie herzlich ein, an unserer Kundgebung teilzunehmen! „Weiße Rosen für Marwa“ am Samstag, den 11. Juli 2009, um 15.00 Uhr vor dem Dresdner Rathaus, Eingang Goldene Pforte.
Zuschauernachricht von Victor Vincze Referent für Ausländische Studierende an der TU-Dresden
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